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17.10.18

Beeindruckende und bedrückende Ästhetik in der St.-Andreas-Kirche Weißenburg

Betritt man ab dem 14. Oktober die St.-Andreas-Kirche in Weißenburg, so erwartet den Besucher eine Überraschung: Im Chorraum hängen – befestigt an Bauzäunen – achtzehn großformatige Fotografien des Landshuter Künstlers Peter Litvai. „My Home is my Castle“ lautet der Titel der bereits in mehreren bayerischen Städten gezeigten Fotoausstellung zur Wohnsituation von Menschen mit niedrigem Einkommen.

Dem Diakonischen Werk Weißenburg-Gunzenhausen als Veranstalter sowie der Weißenburger Dekanin als Schirmherrin geht es darum, den Betrachter zum Nachdenken anzuregen. Die beeindruckenden Bilder verschaffen nicht nur einen Eindruck, wie sich der Mangel an bezahlbarem Wohnraum auswirkt und wie Wohnen in prekären Verhältnissen aussehen kann, sondern sie vermitteln in besonderem Maße ein Gefühl für die Lebenssituation ihrer jeweiligen Bewohner. Und Betroffene – oder sollte man besser sagen „Leidtragende“? – des angespannten Wohnungsmarkes gibt es viele: Beschäftigte im Niedriglohnsektor, Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in den Arbeitsprozess eingebunden sind, aber auch Alleinerziehende in Teilzeitjobs genauso wie Rentnerinnen und Rentner mit geringem Einkommen.

Um soziale Exklusion vermeiden zu helfen und abwertenden Stigmatisierungen entgegenzuwirken, wird das Problem Wohnungsnot versachlicht, quasi „neutral“ dokumentiert und somit für den Besucher greifbar. Die bedrückende Ästhetik der Fotografien wirkt umso intensiver, als sich die „Baustelle bezahlbarer Wohnraum“ – daher auch die Anbringung an Bauzäunen – inmitten des Chorraums einer altehrwürdigen Kirche befindet: ein Kontrast, der den Betrachter zuweilen beklommen macht und bewusst werden lässt, dass oftmals das Grundbedürfnis aller Menschen nach dem Gefühl der Geborgenheit in einem geschützten wohnlichen Zuhause unerfüllt bleiben muss – verdeutlicht durch die ironisch-beschönigende Bezeichnung prekären Wohnraums als „Castle“.

Die Organisatorin der Ausstellung, Ulla Langer vom Diakonischen Werk, freut sich besonders, dass die im Rahmenprogramm dazugehörige Podiumsdiskussion am 29. Oktober zum Thema „Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit“ in Anwesenheit wichtiger lokaler Akteure stattfinden wird: So ist neben weiteren Gästen der Oberbürgermeister Jürgen Schröppel sowie die Dekanin Ingrid Gottwald-Weber, der Geschäftsführer der Diakonie Martin Ruffertshöfer und der geschäftsführende Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Eigenheim Thomas Hanke zugegen. Die Sozialpädagogin der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit hofft auf viele diskussionsfreudige Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der ab 19:00 im Söller des Gotischen Rathauses stattfindenden Podiumsdiskussion.

Ausstellungseröffnung (in Gottesdienst) 14.10.2018, 10:00 Uhr

Ausstellungsdauer bis einschließlich 04.11.2018 (jeweils zwischen 09:00 und 17:00 geöffnet) – Eintritt frei

Podiumsdiskussion im Söller des Gotischen Rathauses (Marktplatz 1) 29.10.2018, 19:00 Uhr