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11.12.20

Dein Glück ist deine Entscheidung!

Vieles an den äußeren Umständen, die unser Leben bestimmen, können wir nicht steuern. Das ist zur Zeit spürbarer denn je.

Dass wir aber mehr selber positiv beeinflussen können, als wir oft glauben, zeigt diese Geschichte und Übung.

Viele Freude dabei wünscht das Team des Sozialpsychiatrischen Dienstes.

 

 

Die zwei Wölfe

(aus Amerika)

 

Unter dem weiten Sternenhimmel, unter dem Licht es Ahnenmondes, unter der Decke des großen Geistes, saßen Roter Hirsch, der Älteste des Volkes, und Kurzer Pfeil, der Sohn seines Enkels, am wärmenden Feuer. Es war die erste Lange Jagd Kurzen Pfeils gewesen; die Jagd, die ihn zum Mann machen sollte. Schweigend saßen sie eine Weile, lauschten der Stille und den eigenen Gedanken.

„Großvater“, begann der Junge zögerlich. „ich soll ein Jäger werden und ich habe mit deiner Hilfe nun meine erste Lange Jagd beendet. Doch die Ruhe will nicht in mein Herz einkehren. Heiter und fröhlich ging ich mit dir auf meine erste Jagd, doch bald war ich unruhig und traurig, weil ich keine Spuren fand. Als du mir sie zeigtest, wurde ich sogar wütend und vertrieb mit meinen lauten Worten das Büffelkalb, das wir sonst erlegt hätten. Am Morgen war mein Herz weit vor Freude über den Himmel, die Erde und das Wasser, doch am Nachmittag hasste ich die Sonne, die Menschen und mich selbst. Warum ist das so, Roter Hirsch, Vater meines Vaters Vater?“

Roter Hirsch sah in den Himmel hinauf, sah ins Feuer, sah in sein Herz. Nach langem Schweigen sprach er schließlich: „ Seit Anbeginn der Welt, noch bevor der Coyote, der Trickreiche, durch die Prärie streifte, noch bevor unser Volk auf Pferden ritt, leben im Herzen eines jeden Menschen zwei Wölfe. Der eine ist weiß und strahlt wie die Mittagssonne, der andere ist schwarz wie die mondlose, wolkenverhangene Nacht. Erbittert kämpfen beide miteinander.“

„Kämpfen diese Wölfe denn auch in meinem Herzen?“, fragte Kurzer Pfeil und legte die Hand auf seine Brust.

„Ja, auch in deinem Herzen, nickte der Alte. „Auch in meinem Herzen, auch in dem deiner Schwestern und Brüder, deines Vaters und deiner Mutter. Sie leben und kämpfen im Herzen eines jeden Menschen. Doch die Wölfe unterscheiden sich nicht nur in der Farbe ihres Fells. Der schwarze Wolf fletscht die Zähne, er droht und knurrt und beißt, er ist rachsüchtig, grausam und gierig. Der weiße Wolf aber ist klug, sanft und liebevoll. Er liebt die Menschen und ist gütig und weise.“

Kurzer Pfeil sah lange in die Glut des erlöschenden Feuers. Schließlich frage er leise: „Wird aber nicht der schwarze Wolf den weißen töten? Ist nicht im Kampf der Wütende dem Sanften überlegen? Und was geschieht, wenn der schwarze Wolf den weißen Wolf erst besiegt hat?“

„Kurzer Pfeil, denk nach: Kannst du den großen Helden Tamahanaka besiegen, nur weil du voll Wut bist?“

„Nein. Es kommt auf die Stärke und das Können an. Aber welcher Wolf ist nun der stärkere? Welcher wird den Kampf gewinnen?“

„Der, den du fütterst“, antwortete der Alte.

 

 

Fütterungsempfehlung für den weißen Wolf

 

Die Geschichte von den beiden Wölfen zeigt, dass Glück vor allem eine Frage der Entscheidung ist. Und da das so ungeheuer wichtig ist, schreibe ich es hier lieber gleich noch einmal hin, schwarz auf weiß:

Dein Glück ist deine Entscheidung!

            Sicher ist die Entscheidung oft nicht gerade leicht, aber doch sehr viel öfter, als du wahrscheinlich glaubst. Denn sogar wenn wirklich schlimme Dinge passieren und dir das Schicksal übel mitspielt, hast du doch immer noch eine Wahl. Und wenn du mich fragst, ist das allemal besser, als keine zu haben: Wer die Wahl hat, hat nämlich nicht nur die Qual, sondern auch die Freiheit – und nur darauf kommt es an. Denn die Freiheit gehört zum erfüllten Mensch-Sein.

            Welchen Wolf wirst du in deinem Herzen füttern? Der schwarze ist voller Unruhe, Angst und Wut, er regt sich leicht auf und wird schnell neidisch. Der weiße Wolf ist das genaue Gegenteil: Er bleibt auch in schwierigen Situationen gelassen, ist entspannt, heiter und voller Lebensfreude.

            Natürlich variieren die Kräfteverhältnisse. Mal ist der eine stärker, dann wieder der andere. Manche Menschen tragen von Haus aus einen riesigen schwarzen Wolf mit sich herum, während andere den ihren kaum bemerken, weil er winzig ist. Doch über kurz oder lang wird immer der Wolf gewinnen, um den du dich besser kümmerst.

            Die Entscheidung liegt tatsächlich ganz bei dir: Fütterst du deine Sorgen, Ängste und Selbstzweifel, so werden diese mit der Zeit immer stärker. Wenn du hingegen positive Gedanken und Gefühle in dir nährst, dann werden die negativen mit der Zeit von selbst verschwinden.

            In freier Wildbahn können Wölfe viele Tage ohne Futter überleben. Auch in Zoos oder Wildparks werden sie oft nur alle zwei bis drei Tage gefüttert. Doch was den weißen Wolf in deinem Herzen betrifft, der frisst lieber jeden Tag viele kleine Häppchen.

Diese kleinen Häppchen können ganz unterschiedlich sein, je nachdem, was dich anspricht.

Hier ein paar Ideen:

♥ Schau dir ein Bild von einem lieben Menschen an, denke an ihn und wünsche ihm Glück!

♥ Stell dich ans offene Fenster, atme ein paar Atemzüge lang bewusst die frische Luft ein!

♥ Spüre den Wind, die Sonne, den Regen in deinem Gesicht.

♥ Verwöhne dich mit einer leckeren Tasse Tee, einem Glas Saft, einem Stück Schokolade … !

♥ Höre dein Lieblingslied – gerne auch drei Mal hintereinander. Sing ruhig mit – es hört ja keiner!

♥ Geh ein Runde spazieren!

♥ Überlege, wofür du heute dankbar sein kannst! Oder schreib es auf.

Usw.

Du kannst das Positive in dir jederzeit und überall nähren, dafür gibt es keine Regeln. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Eines aber möchte ich dir doch empfehlen: dass du ihn nie vergisst, den weißen Wolf der in deinem Herzen wohnt, und dass du ihn nicht verhungern lässt.

 

 Leicht verändert aus: „Füttere den weißen Wolf. Weisheitsgeschichten, die glücklich machen.“ München, 2016  von Aljoscha Long und Ronald Schweppe mit freundlicher Genehmigung der Autoren