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25.01.21

Wie eine Laborratte stand ich vor dem Bierkasten!

Die ersten beiden Wochen im neuen Jahr sind überstanden – auch weiterhin ohne alkoholfreies Bier. Der Corona-Lockdown unterstützt das Projekt bis Februar auf Alkohol zu verzichten, denn externe Versuchungen durch Freunde oder Familie gibt es zwangsweise nicht.

Noch vor der Abstinenz hatte ich daran gedacht, die beiden Bierkästen (oben der “Alkoholfreie” und darunter der “richtige” Kasten), die neben der Kellertreppe standen, in den hintersten Winkel des Kellers zu verbannen. Doch dann habe ich zu mir gesagt: “So viel Willenskraft kann ich noch aufbringen” und beließ die “Versuchung” an ihrem Ort. Eine Fehleinschätzung, die mir fast zum Verhängnis geworden wäre.

Es war ein stressiger Tag. Ich war müde und bereitete kurz vor sieben Uhr das Abendessen vor. Ich war mit dem Tisch decken dran. Es ist eingespielte Routine: Teller aus dem Schrank, Besteck aus der Schublade, Brot aus der Kiste, Wurst, Käse, Gurken aus dem Kühlschrank. Plötzlich stand ich vor dem Bierkasten. Über mich selbst erschrocken, dachte ich: “Was willst du hier?” Es war ein Automatismus, der mich vor den Bierkasten geführt hat.

Da fiel mir die Geschichte aus dem Buch “Die Macht der Gewohnheit, – warum wir tun, was wir tun” von Charles ein. Es ist das Ratten-Experiment des Massachusetts Institute Technology von 1990.

Forscher pflanzten in das Stammhirn der Nager Elektroden ein, um die Aktivität des Nagergehirns zu messen. Die Ratten mussten in einer unbekannten Kiste einen bestimmten Weg gehen, um ihre Nahrung zu finden. Während der ersten Suche zeigten die Messgeräte im Gehirn volle Aktivität und Anstrengung an.

Doch je öfter der Versuch wiederholt wurde, desto geringer wurde die Aktivität im Gehirn der Nager. Die Gewohnheit setzte ein. Die Schlussfolgerung ist simpel: Je mehr Stress und Belastung wir haben, desto mehr verlassen wir uns auf alte Gewohnheiten. Auch unser Wille braucht physische und psychische Kraft. Dagegen will unser Körper und Geist Energie sparen und den gewohnten Weg gehen.

So wie eine Laborratte ohne Stress ihr Futter findet, so ging ich wie programmiert zum Bierkasten. Einfach der Gewohnheit nach: Zum Glück hatte ich an diesem Tag noch genügend Willen und Energie zusammengekratzt, um statt dem Bier die Mineralwasserflasche aus dem Kasten zu nehmen.