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01.02.21

Wohnungsnotfallhilfe zieht positive Bilanz

Vor gut einem Jahr konnte dank des Aktionsplans „Hilfe bei Obdachlosigkeit“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen eine Beratungsstelle für Menschen eingerichtet werden, die akut von Wohnungslosigkeit bedroht oder bereits betroffen sind. Angesichts der dramatischen Situation auf dem Wohnungsmarkt wird es immer wichtiger, bestehende Mietverhältnisse zu erhalten und Wohnungslosigkeit zu vermeiden.

 

Die Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe unterstützt und berät Menschen, die von einer Wohnungskündigung, Räumungsklage oder Zwangsräumung betroffen sind. Auch im Rahmen von Konflikten zwischen Vermietern und Mietern agiert die Fachstelle als Vermittler und versucht einvernehmliche Lösungen zu finden. Sie ist dabei Ansprechpartner für beide Parteien. Darüber hinaus begleitet und berät sie Menschen in der Notunterkunft, beim Auszug aus diesen Unterbringungen und vorbeugend in der Prävention.

 

Nach einem Jahr der Modellprojektdurchführung, das angesichts der Corona-Pandemie wahrlich kein einfaches Jahr war, kann Sozialpädagogin Nadine Heidingsfelder, stellvertretend für das Diakonische Werk Weißenburg-Gunzenhausen, eine positive Bilanz über die Wirksamkeit der Fachstelle ziehen. „In der großen Mehrzahl der Fälle (68 %), konnte ein positiver Fallausgang erwirkt werden. Dieser kennzeichnet sich durch den Erhalt der Wohnung, den Umzug in eine andere Wohnung, ein übergangsweises Unterkommen bei Freunden oder Familie sowie den Umzug in eine soziale Einrichtung“, so die Fachkraft. In 5 % der Fälle, die sich im Rahmen der Fachstelle Unterstützung suchten, musste ein kritischer Fallausgang verzeichnet werden, was bedeutet, dass die Einweisung in eine kommunale Obdachlosenunterkunft nicht mehr abgewendet werden konnte. Aber auch in diesem Fall unterstützt und begleitet die Beratungsstelle, um eine schnelle Beendung der Notunterbringung zu erwirken. In gut einem Drittel der Fälle ist ein Fallausgang (noch) nicht bekannt.

 

Die Gründe für bestehende oder drohende Wohnungslosigkeit sind vielfältig. Am häufigsten sind angehäufte Mietschulden, familiäre Konflikte oder Wohnungskündigungen aus triftigen Gründen, wie zum Beispiel Eigenbedarf, zu nennen. Weiterhin sind gesundheitliche Beeinträchtigungen, das soziale Umfeld und Haftentlassung sowie ein nicht zeitnahes Reagieren der Behörden ursächlich.

 

Neben der Hilfe im Einzelfall, war die Fachstelle im vergangenen Jahr auch im Bereich der Projektarbeit aktiv und reagierte damit auf aktuelle Bedarfe im Landkreis. Ein Beispiel hierfür ist die wachsende Zahl von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die aktuell von Wohnungslosigkeit betroffen oder akut davon bedroht sind. Als Folge tritt das häufige Phänomen des „Couchsurfings“ auf, welches einen ständig wechselnden Aufenthaltsort, das Fehlen einer Meldeadresse und ein damit verbundener Ausschluss von staatlichen Leistungen mit sich bringt.

Um hier entgegenzuwirken, gelang es der Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe in Zusammenarbeit mit einem hiesigen Kooperationspartner, die Einrichtung einer Notschlafstelle, das sogenannte Sleep In, zu etablieren. Möbliert und ausgestattet wurde das Zimmer mit Mitteln der Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern. Das Notschlafzimmer bietet Jugendlichen unter Anbindung an die Beratungsstellen des Diakonischen Werks vorübergehend einen sicheren Aufenthaltsort. Ziel ist die familiäre Deeskalation, der Umzug in eine eigene Wohnung oder andere soziale Einrichtung.

 

Außerdem konnte im vergangenen Jahr mit Unterstützung der evangelischen Beschäftigungsinitiative ein Verteiler für Wohnungssuchende ins Leben gerufen werden. Durch Unterstützung einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin, die für die Beratungsstelle nach aktuellen Wohnungsangeboten recherchiert, werden die Interessenten wöchentlich über aktuelle Angebote im Landkreis mittels Mail- oder Postverteiler informiert, auf die sie sich dann selbstständig bewerben können.

„Das Angebot ist eine wichtige Hilfestellung für Menschen, die nur eingeschränkten Zugang zu Medien wie den regionalen Zeitungen oder dem Internet haben“, erklärt die Sozialpädagogin.

 

Mit Blick auf das letzte Projektjahr wird die Notwendigkeit und der Bedarf einer Fachstelle für Wohnungsnotfälle im hiesigen Landkreis sehr deutlich. Gerade Krisen und Umbruchsituationen, wie derzeit die Corona-Pandemie, begünstigen die Auslöser von Wohnungslosigkeit und machen die Installation umfänglicher Hilfen umso dringlicher.

Um dem wachsenden Problem der Wohnungsnot und der drohenden Wohnungslosigkeit angemessen begegnen zu können, ist ein strukturell und fachlich ausgebautes Hilfesystem der Wohnungsnotfallhilfe von höchster Bedeutung. Neben den kommunalen Akteuren sind Fachstellen ein wichtiger Baustein zur Vermeidung und Behebung von Wohnungslosigkeit. Als zentrales Ziel benennt Nadine Heidingsfelder deshalb, das Projekt nach dem Zeitraum der Modellprojektphase in eine dauerhafte Beratungsstelle zu überführen.

 

Die Beratung durch die Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks ist für Bürgerinnen und Bürger kostenlos. Erreichbar ist die Beratungsstelle unter 09831/611 611 oder 0152/51451768. Anfragen können auch mittels Mail unter wohnungsnotfallhilfe(at)diakonie-wug.de an Frau Heidingsfelder gestellt werden. Das Projekt wird aktuell durch das Diakonische Werk Weißenburg-Gunzenhausen und das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen finanziert. Spenden sind jederzeit willkommen.

 

Für die Hilfe im Einzelfall wurde für das Projekt ein Wohnungsnothilfefond eingerichtet. Das Spendenkonto des Diakonischen Werks WUG-GUN lautet:

Sparkasse Mittelfranken Süd;c IBAN: DE76 7645 0000 0000 0270 06

Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen eG; IBAN: DE14 7606 9468 0003 0336 19

Jeweils Stichwort „Wohnungsnothilfe“.